Eisberge zum Greifen nah.
© Selina Rustler

Kajaktour in Ilulissat – Zwischen Eis und Stille

Kajaktour in Ilulissat – Zwischen Eis und Stille
7 Min.
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Selina Rustler

Mein Herz raste vor Aufregung, als direkt vor uns – keine drei Meter entfernt – ein Buckelwal auftauchte und eine mächtige Wasserfontäne in die Luft schoss. Für einen Moment stand alles still. Ich saß im Kajak, umgeben von gewaltigen Eisbergen, und wusste: Das ist einer dieser Augenblicke, die man nie vergisst. Doch fangen wir vorne an.

Paddeln durch das eisige Paradies von Ilulissat.
© Selina Rustler

Vorbereitung auf das Abenteuer

Alles begann vor dem kleinen Shop Siku von Albatros Arctic Circle, gleich neben dem Hotel Hvide Falk in Ilulissat. Auf der Terrasse hatte sich eine kleine Gruppe versammelt – alle voller Vorfreude. Unser Guide kam mit einem breiten Lächeln und lockeren Sprüchen auf uns zu. Schon nach wenigen Minuten war die anfängliche Schüchternheit verflogen, und wir sollten uns zu zweit zusammenfinden – denn es ging in Doppelkajaks aufs Wasser. So lernte ich Peggy kennen. Wir verstanden uns auf Anhieb – schnell war klar, dass wir zusammen paddeln würden.

Dann bekamen wir unsere Ausrüstung: Trockenanzüge, Wasserschuhe und Schwimmwesten. Schon das Anziehen war ein kleines Abenteuer – Arme, Beine und Kopf fanden nicht immer gleich den richtigen Weg, bis jemand half. Ein Tipp: Trage Funktionsunterwäsche und vermeide Kapuzenpullover, da der Anzug eng am Hals anliegt. Wer leicht friert, bekommt vom Team einen warmen Fleece-Overall, den man unter dem Trockenanzug, aber über der eigenen Thermowäsche trägt. Für Brillenträger gibt es Bänder, fürs Handy wasserdichte Taschen – kleine, praktische Details.

Als wir fertig waren, sahen wir eher aus wie Astronauten als Kajakfahrer – dick eingepackt, bereit für unser arktisches Abenteuer. Jedes Paddel hatte integrierte Pogies, also fest angebrachte Handschuhe – perfekt gegen kalte Finger. Unten am Wasser warteten die Kajaks bereits auf uns. Wir stellten die Fußstützen ein, übten das Ein- und Aussteigen an Land und trugen die Boote dann ins Meer. Doppelkajaks sind stabil und sicher, doch man sollte trotzdem fit und beweglich sein und ein gutes Gleichgewicht haben – für absolute Anfänger ist die Tour nicht ideal.

Warm eingepackt und voller Vorfreude auf das Kayak-Abenteuer in Ilulissat.
Warm eingepackt und voller Vorfreude auf das Kayak-Abenteuer in Ilulissat.
© Selina Rustler

Zwischen den Eisbergen

Und dann – ging es los. Etwa , Eisberge in allen Blautönen um uns herum, und nur das leise Platschen der Paddel durchbrach die Stille. Peggy hatte keine Kajakerfahrung, aber dank ihres Stand-up-Paddlings fühlte sie sich sicher genug, mitzukommen. Ich selbst war auch nur ein paar Mal zuvor im Kajak gesessen. Doch schon nach den ersten Schlägen fanden wir unseren Rhythmus: links, rechts, links.

Langsam glitten wir über das ruhige Wasser, vorbei an kleinen Eisschollen, die still um uns trieben. Das Meer wirkte fast schwarz und spiegelte das sanfte Grau des Himmels und das tiefe Blau der Eisberge. Immer wenn wir aufhörten zu paddeln, kehrte die Stille zurück – nur das Rauschen des Windes, das leise Knarzen des Kajaks und hin und wieder ein ferner Vogelruf durchbrachen die Stille.

Nach einer Weile erreichten wir einen mächtigen Eisberg und trieben still daneben. Er war so gewaltig, dass er fast unwirklich schien. Die Luft war klar und frisch, und alles um uns herum schien sich in Zeitlupe zu bewegen – das Wasser, das Licht, die treibenden Eisschollen. Die Farben wechselten ständig: hellblau, silbern, tief türkis.

Eine Weile saßen wir einfach da, ohne ein Wort zu sagen. Es fühlte sich ruhig und lebendig zugleich an – als würde die Welt mit uns atmen. Ich lauschte dem Wind, den Vögeln, dem sanften Klang des Wassers am Kajak.

Wir blieben länger, als wir geplant hatten, und konnten uns kaum losreißen. Hier draußen schien die Zeit still zu stehen. Es gab nur uns, das Meer und die wilde, stille Schönheit Grönlands.

Mit dem Kajak durch die Arktis – dem Eisriesen entgegen.
© Selina Rustler
Mit dem Kayak zwischen den beeindruckenden Eisbergen von Ilulissat unterwegs.
Mit dem Kayak zwischen den beeindruckenden Eisbergen von Ilulissat unterwegs.
Mit dem Kayak zwischen den beeindruckenden Eisbergen von Ilulissat unterwegs.
Mit dem Kayak zwischen den beeindruckenden Eisbergen von Ilulissat unterwegs.
© Selina Rustler
Mit dem Kayak zwischen den beeindruckenden Eisbergen von Ilulissat unterwegs.
© Selina Rustler
Mit dem Kayak zwischen den beeindruckenden Eisbergen von Ilulissat unterwegs.
© Selina Rustler

Eine außergewöhnliche Begegnung mit einem Wal

Dann kam der Moment, den ich nie vergessen werde. Unser Guide zeigte auf Vögel, die in der Ferne über dem Wasser kreisten – ein Zeichen dafür, dass sich Wale darunter befinden könnten. Wir hörten auf zu paddeln und starrten gespannt auf die Wasseroberfläche, unsere Herzen klopften ein wenig schneller. Ein paar Sekunden lang geschah nichts. Und dann hörten wir es – ein tiefes, kraftvolles Ausatmen, das die Stille durchbrach. Ein feiner Sprühnebel stieg auf, und da war er: die Schwanzflosse eines Wals, der im grauen Wasser verschwand. Mein allererster Wal – und das aus einem Kajak!

Wir dachten, er wäre weitergezogen, aber ich konnte meinen Blick nicht abwenden. Und tatsächlich – plötzlich tauchte er wieder auf, dieses Mal viel näher. Wir hielten den Atem an, die Paddel ruhten still auf dem Wasser. Über uns kreisten die Vögel, die Luft war voller Spannung, und dann – war er da. Ein Buckelwal, der direkt neben uns an die Oberfläche kam, so nah, dass wir jedes Detail seines gewaltigen Körpers sehen konnten. Er hob eine Flosse, fast wie ein leises „Hallo“, wölbte seinen Rücken und zeigte noch einmal seine mächtige Schwanzflosse, bevor er wieder in die Tiefe verschwand. In diesem Moment fühlte ich mich winzig und unendlich glücklich.

Das Geräusch seines Atems, der Geruch der kalten Meeresluft, das sanfte Schaukeln unserer Kajaks – alles fühlte sich lebendig an. Es war, als hätte die Zeit aufgehört, als wäre die Welt für einen Augenblick ganz still geworden – nur für uns. Der Wal bewegte sich so ruhig, so gelassen, dass es fast so wirkte, als würde er uns seine eigene Art von Frieden zeigen. Mein Herz schlug schnell, und doch war um uns herum alles vollkommen still – die feinen Wellen auf dem Wasser, die fernen Rufe der Vögel, der gleichmäßige Rhythmus des Meeres unter uns.

Für ein paar kostbare Momente gab es nichts anderes. Keine Gedanken, keine Worte – nur Staunen. Ich wollte nicht einmal blinzeln, aus Angst, auch nur eine Sekunde zu verpassen. Und als der Wal schließlich wieder in die Tiefe tauchte, wusste ich, dass dieser Moment für immer bleiben würde – einer dieser seltenen Augenblicke im Leben, die das Herz leise berühren und nie verblassen.

Später erzählte uns unser Guide, dass er noch nie erlebt hatte, dass ein Wal einem Kajak so nahe gekommen war. Weil selbst für ihn dieses Erlebnis außergewöhnlich war, lautet unsere Empfehlung ganz klar: Wer Wale sehen möchte, sollte eine spezielle Walbeobachtungstour buchen – denn während einer Kajaktour ist so eine Begegnung eine absolute Ausnahme. Vielleicht machte gerade das diesen Moment so besonders. Ich war einfach nur dankbar, dass mein größter Traum auf so unerwartete Weise in Erfüllung gegangen war. Meinem allerersten Wal auf Augenhöhe zu begegnen – das werde ich niemals vergessen.

Ein magischer Moment mit einem Buckelwal in Ilulissat.
© Selina Rustler

Zurück an Land

Die Rückfahrt war still, jeder in seine Gedanken versunken, noch ganz erfüllt von dem, was wir gerade erlebt hatten. Einige von uns paddelten langsamer, wollten die letzten Minuten zwischen den Eisbergen noch ein wenig auskosten, als könnten wir das Abenteuer so ein kleines Stück länger festhalten.

Zurück an Land lachten wir über unsere wackeligen Beine, halfen uns gegenseitig aus den Anzügen und teilten Kekse mit der Gruppe – immer noch voller Staunen über das, was passiert war. Wir tauschten Eindrücke aus, zeigten uns Fotos und versprachen, später Videos zu schicken. Fremde am Morgen, verbunden am Abend – durch eine Erinnerung, die keiner von uns je vergessen wird.

Später am Abend sah ich mir meine Fotos und Videos immer wieder an, doch nichts konnte das Gefühl einfangen, wirklich dort gewesen zu sein – die kalte Luft im Gesicht, den Rhythmus der Paddel, die atemberaubende Stille, wenn man lautlos zwischen den Eisbergen gleitet.

Praktische Infos

Die Kajaktour dauert insgesamt etwa 3 Stunden . Davon verbringt man rund 2 Stunden auf dem Wasser. Gestartet wird die Tour bei Shop Siku, direkt neben dem Hotel Hvide Falk in Ilulissat. Die gesamte Ausrüstung wird gestellt – darunter ein Trockentauchanzug, Wasserschuhe, eine Schwimmweste, ein warmer Fleece-Overall, Brillenbänder, wasserdichte Handyhüllen und sogar Fäustlinge, die direkt an den Paddeln befestigt sind.

Mitbringen sollte man Thermounterwäsche, warme Socken und eine Mütze oder ein Stirnband. Vorkenntnisse im Kajakfahren sind nicht notwendig, aber man sollte körperlich fit, sicher im Wasser und Gleichgewicht haben – für absolute Anfänger ist diese Tour nicht geeignet.

Es ist ein unvergessliches Erlebnis für alle, die den Eisfjord aus einer ganz neuen Perspektive sehen möchten – still, nah an der Natur und voller arktischer Schönheit.

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